Week 22

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Ich schlittere gerade von einer Horrorwoche zur nächsten und komme mit all den Dingen, die ich mir so vornehme, kaum noch nach. Da ist mir auch erst heute Abend der Wochenrückblick eingefallen. Was? Schon wieder eine Woche vorbei? Es ist Montag? Huch! 

Aber gut, lieber kurz und knackig als inexistent, gället Sie?

Ich denke das Ding der letzten Woche ist wohl der Gotthard. Wer in der Schweiz lebt, durfte (musste) so viel über die Röhre und Leuthards Kleid lesen, dass einem der Drang aufkommt, das Ding wieder zuzuschütten (beziehungsweise die Löcher zu stopfen ehem). Von Schweizer Medien, die über die Berichte über den Gotthard in ausländischen Medien berichten (Gotthardception), über Memes und interaktiven Spielen zum Thema war alles dabei. Ja, klar: es ist ein Jahrhundertbauwerk. Anno dazumal hatten wir unseren Physiklehrer dazu überredet während der Stunde im Livestream den Durchbruch anzuschauen. Aber jetzt wäre es doch schön, wenn wir den Tunnel mal ein bisschen Tunnel sein lassen könnten und uns anderen Dingen zuwenden.

Zum Beispiel zu einem anderen Thema, dass sich schon länger an der Spitze der Nachrichten hält, diese Position aber zu Recht belegt: Die Flüchtlingskrise. Letzte Woche hat Sebastian Kurz, Aussenminister Österreichs, für Aufsehen gesorgt. Er sieht Australien und seine Vorgehensweise als Vorbild bezüglich der Krise. Obwohl diese von Amnesty International schon länger genau dafür kritisiert werden.

Derweil wird die Sandkastenschlacht zwischen Deutschland und der Türkei immer komplizierter. Nach der Armenien Resolution Deutschlands, durch die der Völkermord an den Armeniern offiziell anerkannt wird, ist die Kacke am dampfen. Und es scheint nicht besser zu werden. Wer sich mittlerweile nicht mehr sicher ist, wie wir so weit gekommen sind, hier das Rezept: Man nehme ein Lied, eine gute Portion Böhmermann, drumherum einen Deal und eine Prise schlechtes Timing.

Und dabei hätte Deutschland ja genug zu tun mit den Überschwemmungen.

Nicht sehr stark in die Breite geschaut letzte Woche, aber ich belasse es mal dabei. Falls ihr findet, dass ich etwas super wichtiges vergessen habe (und das habe ich bestimmt), dann lasst es mich doch wissen (am besten mit einem kleinen Link zu Artikel / Video)! À toute!

 
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Week 20 & Week 21

Katze mit Zeitung (sogar!)
„Wenn du die Zeitung nicht liest und wegräumst, dann pinkel ich drauf.“

Über meinen Versuch mehr zu lesen habe ich hier ja schon geschrieben. Und auch darüber, dass ich den Anfang mit Zeitungen gemacht habe. Dieser Vorhaben kommt nicht nur daher, weil so ein Artikel eine angenehmere Hürde ist als ein 500 seitiges Buch, sondern auch weil ich meine Nachrichten in den letzten Jahren vermehrt aus dem Internet entnahm und natürlich merkte, dass die Qualität nicht überall gleich gut ist. Auch habe ich mir nie ein Online-Abo besorgt, sondern bin von einem frei verfügbaren Artikel zum nächsten gehüpft. Das muss nicht heissen, dass ich nur Schrott gelesen habe, aber man muss sich natürlich eingestehen, dass man dann auch mitverantwortlich ist für Phänomene wie Native Advertising.

Nun läuft das Projekt schon etwa 4-5 Monate und ich muss sagen, dass ich durchaus den Unterschied spüre. Sowohl was meine Leseleistung angeht, als auch meine Wahrnehmung der Nachrichten hat sich geändert. Früher habe ich bei kleineren Nachrichten oft nur die Schlagzeile mitbekommen und bin mir grösseren Geschehnissen über Blogs informiert worden, wo man schon eine sehr klare Meinung geformt hatte. Von daher ist es sehr erfrischend die Dinge zum ersten Mal von einem Medium zu hören, welches nicht im selben Atemzug eine Wertung abgibt. Klar, auch Zeitungen haben eine politische Orientierung (ich lese meistens den Tagesanzeiger, eine Schweizer Zeitung die eher links steht) und das sollte man im Kopf behalten. Um das Eintreten von Bestätigungsfehlern zu vermeiden, zwinge ich mich deshalb bei polarisierenden Themen auch mal eine andere Zeitung hinzu zuziehen. Eine gute Ergänzungen aus der Schweiz ist beispielsweise die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), welche als eher freisinnig bezeichnet werden kann. Somit stehen der Tagesanzeiger und die NZZ in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ein nächster Schritt wäre für noch sich in der österreichischen Medienwelt umzusehen (für Tipps bin ich dankbar!).

Etwas das mir seit meiner vermehrten und bewussten Lektüre auch aufgefallen ist, sind die ganzen Nicht-Zeitungsleser. Ich dachte immer, ich sei ganz solide informiert und wüsste mehr oder weniger Bescheid, aber das war überhaupt nicht der Fall. Das neue „Wissen“ schafft aber auch einen Drang sich auszutauschen und so war ich schon mehrmals darüber überrascht, dass meine KommilitonInnen  und ProfessorInnen oft selbst grössere Nachrichten verpassen. So zum Beispiel die Unterzeichnung des Kroatien-Protokolls, welches der Schweiz ermöglicht in Horizon 2010, dem Forschungsprogramm der EU, weiter teilhaben zu können. Da möchte man meinen, dass immerhin Angestellte der Universität davon gehört haben würden, aber in den meisten Gesprächen, die ich führte, war da nur Schulterzucken. Das ist einerseits etwas scheisse, andererseits aber eben auch verständlich: als ich noch Religionsphilosophie studierte und mit meinen 50 Seiten an komplizierten Texten endlich fertig war, hatte ich knapp mal Lust mir ein Katzenvideo anzusehen.

Falls es euch da draussen ähnlich geht, habe ich aber etwas für euch: ich möchte ab jetzt jede Woche die wichtigsten Nachrichten zusammenfassen. Auf dem Blog aufgeschaltet, ist das natürlich eine Dienstleistung für euch, aber es ist eben auch eine Übung für mich selbst. Schliesslich muss ich dafür ja selbst gut aufgepasst haben. Ob meine Zusammenfassung dann auch immer objektiv sein wird (und will!) sei erstmal dahingestellt. Versuchen möchte ich es zwar, aber momentan stehen für mich meine persönlichen Interessen im Vordergrund. Alors!

Ich wollte das eigentlich schon letzte Woche anfangen, deswegen hier gleich zwei Wochen auf einmal:

Zuerst eine Geschichte, die mir am Herzen liegt, weil ich selber in der Nähe einer Notunterkunft wohne:  Die Lausanner Polizei hat letzte Woche den obdachlosen Immigranten und Asylsuchenden, welche in Parks und im Garten der Notunterkunft Sleep-In schlafen ein Ultimatum gestellt. Letzten Donnerstag gab es deswegen auf der Place de la Riponne eine Kundgebung. Ich habe dort selbst mit den Menschen gesprochen, die mir gesagt haben, dass die Polizei durchaus Leute weggeschickt hat und dabei nicht immer zimperlich wahr. Im Artikel des TA dazu wird die Angelegenheit milder dargestellt. Etwas detaillierter wurde das Problem in den Westschweizer Medien besprochen.

Am 1. Juni wird der neue Gotthard-Basistunnel eröffnet und natürlich wird das Thema schonmal im Voraus maximal ausgeschlachtet. Man kann da vom Namensgeber des Passes lesen, von einem Roman zum Tunnel und wer zur Eröffnungsfeier kommt.

Die Schweiz öffnet sich in Sachen LGBTQA: In Zukunft sollen alle Paare zur Stiefkind-Adoption zugelassen sein! Und das ohne Trauschein und eingetragene Partnerschaft.

Dafür hat sie das Testspiel gegen Belgien verloren, woran ich am Wochenende von einer Gruppe Mittzwanziger, die in einem VW beständig im Kreis fuhren und dabei abwechselnd aus dem Fenster hingen, freundlicherweise erinnert wurde. .

Fussball continued: Gauland, Vizepräsident der deutschen Partei AfD, löst einen Shitstorm aus: „Die Leute finden ihn als Fussballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbar haben.“, soll er gesagt haben. Wäre dieser Satz aus dem Mund eines anderen Menschen gekommen, hätte man sich noch darüber streiten können, ob es sich um eine unglückliche Beschreibung von Rassisten in Deutschland handeln könnte. Im Kontext Gaulands wundersamer Entwicklung und der AfD scheint der Fall aber klar.

Österreich hat lange gezittert, aber nun wurde Van der Bellen Bundespräsident. Ob es das Ende der Geschichte ist? Eher nicht.

Derweil macht die TA einen auf John Oliver und diskutiert die Flopydisks und andere Vintage-Technologien, die noch bei den US-Atomstreitkräften in Gebrauch sind. Wer sich dasselbe in Videoformat und mit mehr Lachern antun möchte: Hier entlang!

Die Situation in Venezuela wird immer schlimmer: Die Mangelwirtschaft hat dem Land schon eine Zwei-Tages Woche, Stromausfälle und Coca-Cola Fasten eingebracht. Jetzt werden die Goldreserven verkauft. Bergab geht es jetzt nun länger, aber erst der jetzige Notstand hat die Aufmerksamkeit der westlichen Medien geweckt. Wer wie ich nicht von Anfang an dabei war und orientierungslos ist, kann sich hier in 90 Sekunden über die Proteste von vor zwei Jahren informieren und hier einmal in lustig zu den neusten Entwicklungen mit John Oliver.

In Israel ist Verteidungsminister Yaalon zurückgetreten, weil er mit der immer weiter nach rechts rückenden Regierung nicht mehr einverstanden ist. Wie die NZZ schreibt, ist Yaalon selbst ein Hardliner. Sein Nachfolger Avigdor Lieberman ist derweil auch nicht gerade die neue Mutter Theresa.

Der Zika Virus liefert nun weitere Argumente gegen die Olympischen Spiele in Brasilien. Wer vom Virus noch nicht gehört hat, kann hier reinschauen.

Zum Absturz des Egyptair Fluges gab es im TA dieses Interview mit dem Aviatik Experten Stefan Eiselin, welches einfach mal einige Fakten erklärt ohne gleich eine Verschwörungstheorie auf den Tisch zu hauen.

Wen das jetzt deprimiert hat, scrolle bitte zurück zum Anfang des Posts und meditiere 5 Minuten zum Bild meiner Katze.

 
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