Week 20 & Week 21

Katze mit Zeitung (sogar!)
„Wenn du die Zeitung nicht liest und wegräumst, dann pinkel ich drauf.“

Über meinen Versuch mehr zu lesen habe ich hier ja schon geschrieben. Und auch darüber, dass ich den Anfang mit Zeitungen gemacht habe. Dieser Vorhaben kommt nicht nur daher, weil so ein Artikel eine angenehmere Hürde ist als ein 500 seitiges Buch, sondern auch weil ich meine Nachrichten in den letzten Jahren vermehrt aus dem Internet entnahm und natürlich merkte, dass die Qualität nicht überall gleich gut ist. Auch habe ich mir nie ein Online-Abo besorgt, sondern bin von einem frei verfügbaren Artikel zum nächsten gehüpft. Das muss nicht heissen, dass ich nur Schrott gelesen habe, aber man muss sich natürlich eingestehen, dass man dann auch mitverantwortlich ist für Phänomene wie Native Advertising.

Nun läuft das Projekt schon etwa 4-5 Monate und ich muss sagen, dass ich durchaus den Unterschied spüre. Sowohl was meine Leseleistung angeht, als auch meine Wahrnehmung der Nachrichten hat sich geändert. Früher habe ich bei kleineren Nachrichten oft nur die Schlagzeile mitbekommen und bin mir grösseren Geschehnissen über Blogs informiert worden, wo man schon eine sehr klare Meinung geformt hatte. Von daher ist es sehr erfrischend die Dinge zum ersten Mal von einem Medium zu hören, welches nicht im selben Atemzug eine Wertung abgibt. Klar, auch Zeitungen haben eine politische Orientierung (ich lese meistens den Tagesanzeiger, eine Schweizer Zeitung die eher links steht) und das sollte man im Kopf behalten. Um das Eintreten von Bestätigungsfehlern zu vermeiden, zwinge ich mich deshalb bei polarisierenden Themen auch mal eine andere Zeitung hinzu zuziehen. Eine gute Ergänzungen aus der Schweiz ist beispielsweise die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), welche als eher freisinnig bezeichnet werden kann. Somit stehen der Tagesanzeiger und die NZZ in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ein nächster Schritt wäre für noch sich in der österreichischen Medienwelt umzusehen (für Tipps bin ich dankbar!).

Etwas das mir seit meiner vermehrten und bewussten Lektüre auch aufgefallen ist, sind die ganzen Nicht-Zeitungsleser. Ich dachte immer, ich sei ganz solide informiert und wüsste mehr oder weniger Bescheid, aber das war überhaupt nicht der Fall. Das neue „Wissen“ schafft aber auch einen Drang sich auszutauschen und so war ich schon mehrmals darüber überrascht, dass meine KommilitonInnen  und ProfessorInnen oft selbst grössere Nachrichten verpassen. So zum Beispiel die Unterzeichnung des Kroatien-Protokolls, welches der Schweiz ermöglicht in Horizon 2010, dem Forschungsprogramm der EU, weiter teilhaben zu können. Da möchte man meinen, dass immerhin Angestellte der Universität davon gehört haben würden, aber in den meisten Gesprächen, die ich führte, war da nur Schulterzucken. Das ist einerseits etwas scheisse, andererseits aber eben auch verständlich: als ich noch Religionsphilosophie studierte und mit meinen 50 Seiten an komplizierten Texten endlich fertig war, hatte ich knapp mal Lust mir ein Katzenvideo anzusehen.

Falls es euch da draussen ähnlich geht, habe ich aber etwas für euch: ich möchte ab jetzt jede Woche die wichtigsten Nachrichten zusammenfassen. Auf dem Blog aufgeschaltet, ist das natürlich eine Dienstleistung für euch, aber es ist eben auch eine Übung für mich selbst. Schliesslich muss ich dafür ja selbst gut aufgepasst haben. Ob meine Zusammenfassung dann auch immer objektiv sein wird (und will!) sei erstmal dahingestellt. Versuchen möchte ich es zwar, aber momentan stehen für mich meine persönlichen Interessen im Vordergrund. Alors!

Ich wollte das eigentlich schon letzte Woche anfangen, deswegen hier gleich zwei Wochen auf einmal:

Zuerst eine Geschichte, die mir am Herzen liegt, weil ich selber in der Nähe einer Notunterkunft wohne:  Die Lausanner Polizei hat letzte Woche den obdachlosen Immigranten und Asylsuchenden, welche in Parks und im Garten der Notunterkunft Sleep-In schlafen ein Ultimatum gestellt. Letzten Donnerstag gab es deswegen auf der Place de la Riponne eine Kundgebung. Ich habe dort selbst mit den Menschen gesprochen, die mir gesagt haben, dass die Polizei durchaus Leute weggeschickt hat und dabei nicht immer zimperlich wahr. Im Artikel des TA dazu wird die Angelegenheit milder dargestellt. Etwas detaillierter wurde das Problem in den Westschweizer Medien besprochen.

Am 1. Juni wird der neue Gotthard-Basistunnel eröffnet und natürlich wird das Thema schonmal im Voraus maximal ausgeschlachtet. Man kann da vom Namensgeber des Passes lesen, von einem Roman zum Tunnel und wer zur Eröffnungsfeier kommt.

Die Schweiz öffnet sich in Sachen LGBTQA: In Zukunft sollen alle Paare zur Stiefkind-Adoption zugelassen sein! Und das ohne Trauschein und eingetragene Partnerschaft.

Dafür hat sie das Testspiel gegen Belgien verloren, woran ich am Wochenende von einer Gruppe Mittzwanziger, die in einem VW beständig im Kreis fuhren und dabei abwechselnd aus dem Fenster hingen, freundlicherweise erinnert wurde. .

Fussball continued: Gauland, Vizepräsident der deutschen Partei AfD, löst einen Shitstorm aus: „Die Leute finden ihn als Fussballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbar haben.“, soll er gesagt haben. Wäre dieser Satz aus dem Mund eines anderen Menschen gekommen, hätte man sich noch darüber streiten können, ob es sich um eine unglückliche Beschreibung von Rassisten in Deutschland handeln könnte. Im Kontext Gaulands wundersamer Entwicklung und der AfD scheint der Fall aber klar.

Österreich hat lange gezittert, aber nun wurde Van der Bellen Bundespräsident. Ob es das Ende der Geschichte ist? Eher nicht.

Derweil macht die TA einen auf John Oliver und diskutiert die Flopydisks und andere Vintage-Technologien, die noch bei den US-Atomstreitkräften in Gebrauch sind. Wer sich dasselbe in Videoformat und mit mehr Lachern antun möchte: Hier entlang!

Die Situation in Venezuela wird immer schlimmer: Die Mangelwirtschaft hat dem Land schon eine Zwei-Tages Woche, Stromausfälle und Coca-Cola Fasten eingebracht. Jetzt werden die Goldreserven verkauft. Bergab geht es jetzt nun länger, aber erst der jetzige Notstand hat die Aufmerksamkeit der westlichen Medien geweckt. Wer wie ich nicht von Anfang an dabei war und orientierungslos ist, kann sich hier in 90 Sekunden über die Proteste von vor zwei Jahren informieren und hier einmal in lustig zu den neusten Entwicklungen mit John Oliver.

In Israel ist Verteidungsminister Yaalon zurückgetreten, weil er mit der immer weiter nach rechts rückenden Regierung nicht mehr einverstanden ist. Wie die NZZ schreibt, ist Yaalon selbst ein Hardliner. Sein Nachfolger Avigdor Lieberman ist derweil auch nicht gerade die neue Mutter Theresa.

Der Zika Virus liefert nun weitere Argumente gegen die Olympischen Spiele in Brasilien. Wer vom Virus noch nicht gehört hat, kann hier reinschauen.

Zum Absturz des Egyptair Fluges gab es im TA dieses Interview mit dem Aviatik Experten Stefan Eiselin, welches einfach mal einige Fakten erklärt ohne gleich eine Verschwörungstheorie auf den Tisch zu hauen.

Wen das jetzt deprimiert hat, scrolle bitte zurück zum Anfang des Posts und meditiere 5 Minuten zum Bild meiner Katze.

 
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Extrablatt: Pizza ohne Mozzarella kommt mit Hintergedanken

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Seit Mitte Februar esse ich mehrheitlich vegan. Eigentlich wollte ich nur 7 Wochen fasten, aber während dieser Zeit ging es mir körperlich so gut, dass ich mir nicht mehr vorstellen konnte, zu Milchprodukten zurück zukehren. Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung und trotzdem- einige Dinge vermisst man. 23 Jahre an Gewohnheiten kriegt man schliesslich nicht über Nacht los. Eine Sache die ich, so dachte ich jedenfalls, sehr vermisse, sind mit Käse überbackene Gerichte. Lasagne, Pizza, Kartoffelauflauf funktionieren alle hervorragend als vegetarische Gerichte, aber ohne den Käse obendrauf hätte ich sie mir nicht vorstellen können. Ich kam mir etwas seltsam vor, als ich diese Gerichte zum ersten Mal nach meiner Ernährungsumstellung zubereitete; die käselose Lasagne sah irgendwie nackt aus im Ofen, dem Auflauf fehlte die charakteristische Kruste und meine ‚alten‘ Pizzas bestanden sowieso mehrheitlich aus Mozzarella.

Ich hatte in den letzten Jahren mehrmals vegane Phasen von 1-3 Monaten Länge, meist waren diese als Detox gedacht und kamen zu Zeiten, zu denen es mir körperlich ziemlich dreckig ging. Obwohl ich immer gut ass, schien ich jedesmal an einer Art Entzug zu leiden. Wie meine früheren Mitbewohner mein letztes Fasten mit mir überlebt haben, ist mir ein Rätsel: ich konnte den ganzen Tag von nichts anderem sprechen, als von den Dingen, die ich gerne essen würde. Und ja, ich ging so ziemlich jedem auf den Keks- mir selbst eingeschlossen.

Doch diesmal war es anders und ich bin mir sicher, dass auch andere Veganer davon berichten können. Irgendwas hat Klick gemacht. Das Sehnen nach Käse, Sahne und Spiegelei dauerte nicht einmal eine Woche und ich merkte schnell, dass es mich einfach nicht mehr anmacht. Ich sass mit Omnis zu Tisch und obwohl ich es ziemlich blöd finde, wenn Leute sich gegenseitig ihr Essen schlecht machen, kam ich nicht umhin Ekel zu empfinden ob Mayonnaise, Feta und anderen früheren Lieblingen.

Vegane Pizza hatte ich das erste Mal vor zwei Wochen. Lasagne und Auflauf hatte es bereits -mit Erfolg- gegeben, aber die Pizza wurde zur mentalen Hürde. Ja, ich weiss, das klingt jetzt sehr dramatisch (und ist es doch auch!), aber mein Magen ist wirklich nah am Zentrum meines persönlichen Universums und da ist die Lieblingsspeise aufgeben eben doch ein grosses Ding. Ich hatte erst kürzlich vegane Mozzarella im Bioladen entdeckt und schnibbelte das ganze Ding über eine Pizza für zwei Personen. Im Ofen roch es gut, es sah knusprig aus, wir holten die Schönheit heraus, ich biss hinein- und merkte, dass es mir gut schmeckt! Was jedoch überraschender war: ich merkte auch, dass es ohne Fake-Mozzarella sogar besser war. Wer hätte es gedacht!

Ja, gut. Und nun? Was soll man anfangen mit so einer Geschichte? Toll, hast Pizza gegessen ohne Käse. Applaus. Ich denke, vor allem als Langzeitveganer möchte man da die Augen rollen. Aber was man eben vergisst, wenn man den Wechsel schon lange hinter sich hat, ist eben das: Die Umstellung ist ein Prozess. Und obwohl meine moralischen und politischen Grundsätze für mich schon lange in Richtung Veganismus zeigten, war ich bis vor Kurzem nicht bereit dafür. Ich hatte es versucht und mich mehrmals damit gequält. Sei es weil ich noch zu wenig informiert war über Alternativen und diese oft nur schwer zugänglich waren, sei es weil ich zu bequem war, sei es weil ich einen verwöhnten Bauch habe, der immerzu verhätschelt werden muss.

Ich denke, dass ist etwas, was man als Vegetarier/Veganer öfter im Kopf behalten muss, wenn man sich mit Menschen konfrontiert sieht, die sich eine solche Ernährung überhaupt nicht vorstellen können. Wir haben alle irgendwo angefangen (oder halt eure Eltern, für die Leute, die sich damit brüsten können, vegan erzogen worden zu sein) und wissen doch, dass unsere Gründe diesen Weg zu gehen alle total unterschiedlich sind. Für die einen war es eine Doku, für die anderen war es die eigene Gesundheit und ein anderer wiederum möchte schon länger die Welt retten. So sehr mich ein gewisses Konsumverhalten auch nervt, möchte ich nicht die Freiheit meiner Mitmenschen einschränken, indem ich mich in ihre Entscheidungen ständig einmische.

Es tut uns ja auch nicht gut, uns ständig über andere aufzuregen. Ja, manche Menschen brauchen halt länger, andere sind halt scheisse. Nichts Neues im Westen. Aber anstatt leidige veganer Klischees zu bedienen, kann man ja einfach mal durchatmen und sich sagen, dass der andere halt an einem anderen Punkt ist auf seinem Weg. Oder man kehrt der Diskussion den Rücken und hat die vegane Pizza ganz für sich allein.

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tea classism

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The last time my boyfriend and I were in Belgium we had the pleasure to be invited by a whole bunch of friends for various meals, thus not only enjoying their company but also shamelessly being fed by different people everyday. I love eating. And I love being in other people’s homes. The fact that 3 out of 4 them also had dogs and were readily preparing vegan dishes for us (or letting us cook vegan for everyone) only made it better.

However there was one thing that struck us and ended up making me feel uncomfortable: tea. To be honest I’m not a huge expert on tea, so much by way of introduction. The only reason I know many types of tea is me having worked as a waitress in a restaurant with a ridiculously large tea selection. Which we had to know by heart in order to rain it down on unsuspecting customers, in case they would dare to ask what types of tea we had.
Apart from that we accumulated many teas in our flat ever since I made tea advent calendars for my friends and family, after which we got stuck ourselves with a ridiculously large tea selection (which then stayed there for ages, because it turns out we are not terribly experimental in that area).

But you might have already guessed it: when I talk about teas, I mean teas in fairly cheap little tea bags. No leaves here. No intricate, flavor-containing packaging. And so it came to be that I ended up feeling a bit out of space when one of our friends offered to make everyone a cup, upon which she spread a sizable collection of nicely packed organic teas on the table for us to choose. Monsieur and I shyly took one each, but as we both struggled to stuff the leaves into the infuser we looked at each other and realized we were thinking the same thing: at home we heat water in the microwave and then throw in a bag labelled peppermint. Which is fairly unromantic compared to bohemian raspberry and lemon vanilla tisane. And no, I wish I was making this shit up but I’m not. Recently we found a chocolate herbal tisane in the office cafeteria. Nothing can surprise me anymore in the tea kingdom. But while some of those names are just as silly is having 30 different packs of dried leafs in your cupboard (whether bagged or not), the situation still made me feel bad.

And then I realized why. The tea had become a metaphor to me. Not only the tea itself but having a proper teapot, a modern kettle, the cute sugar bowl and the ritual down to a science somehow seemed to mean that you had your life together. Surely someone who had matching Japanese tea cups was not hoarding dirty laundry behind the sofa. In fact, someone who is in possession of said cups is probably quite well organized, gets up at 6am and always has the spare time solve the crossword puzzle in the paper. Or so it made me feel.

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When we were in Scotland a month ago I bought myself those fancy looking tea bags. The name of this one is perfect peppermint, which on a compensational level is the equivalent of a man in his 40s owning a Ferrari. I liked the package and I liked the fact that I had bought them in a small take away restaurant on the Isle of Skye, where we – I kid you not – got custom vegan salads with seaweed. Which I guess comes close to the damn Ferrari having fancy rims or something. In the meantime my mother passed down her kettle to me. And well, I guess the metaphor still stands, but I feel a bit better, the water stays hot longer and I got my ridiculous little teabags looking nice in the Ikea cup. That’s one small step in the tea realm, but a leap for students getting their shit together.

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