Eine schlichte Katze wäre besser gewesen – Über unnötige T-Shirt Drucke

Screen Shot 2017-06-20 at 15.23.38Ja, ich weiss. Es gibt so viele Dinge, über die man sich eher aufregen kann- keine Sorge, ich habe genug Motzkraft und komme auch zu eurem Lieblingsproblem. Aber heute möchte ich mich einem persönlichen Favoriten widmen. Einem Thema, dass schon seit über einem Jahr in meinen Post-Entwürfen sitzt und für welches ich regelmässig Beweismaterial sammle. Es geht um dumme, unnötige, peinliche und manchmal schlichtweg hässliche T-Shirt Drucke. Bevor mir jetzt jemand den metaphorisch ersten Stein um die Ohren hauen will: Ja, auch ich habe T-Shirts, die mit irgendwas bedruckt sind. Ja, es gibt auch verdammt gute T-Shirt Projekte. Ja, darunter waren zumindest in der Vergangenheit auch welche, für die ich mich heute ohrfeigen will (Avril Lavigne Fan-Shirt mit Slipknot Ästhetik? Ohmygawd). Aber über gewisse Exemplare müssen wir jetzt trotzdem mal reden. Das Universum des politisch unkorrekten Druckes ist da zum Glück schon abgedeckt. Bei Prints wie „Grab America By The Pussy“ muss man sich ja auch nicht wundern, warum alle heiss laufen. Und vor allem wenn es die grossen Themen betrifft, kommt die Reaktion ja auch schnell und gewandt.

Aber um solche Themen geht es mir heute -ausnahmsweise- nicht. Sonst könnte ich ja auch den Rest meines Lebens damit verbringen, auf den Websites von Druckereien abzuhängen und den Kundendienst zusammen zuschreien, weil sie mal wieder ein T-Shirt haben, welches mit irgendeiner infantilen Referenz bezüglich Penisgrösse, Manneskraft und Sandwich-Produktion aufwartet. Wie man so schön sagt: You gotta choose your battles. Und ich habe gewählt. Mir geht es um die vermeintlich hübschen Exemplare, die man bei den High-Street Labels findet. Kein Comic Sans und Arial in Primärfarben, sondern stillsichere Fonts auf Pastel und Breton-Streifen. Kommet in meine Welt der Hineinsteigerung in komplett überflüssige Themen und sehet selbst!

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Fangen wir an mit diesem philosophisch unkompliziertem Exemplar meines Lieblingsfeindes Mango. Die Aufschrift hier („Mehr Salate, bitte!“ für alle nicht-Englisch begabten) wird optisch unterstützt von zwei Illustrationen, jeweils eine Tomate und irgend ein grüner Blattsalat. Es fällt sofort auf, dass die zwei Zutaten alles andere als einen Schrei nach mehr Salat auslösen würden. Hätte man sich hier mit einer salatkundigen Person zusammengetan, wäre man auf den Gebrauch von geräuchertem Mandeltofu und jungem Spinat hingewiesen worden. Wie so oft aber, machte man sich diese Mühe nicht und so ist dieses T-Shirt eine chice, tragbare Version jedes Stockphotos, welches Salat essende, glücklich lachende Frauen zeigt. Ähnlich wie bei den vielen T-Shirts, die mit aufgedruckten Outfittipps daherkommen, stellt sich auch hier die moralische Frage, ob man, dieses Kleidungsstück tragend, auch Popcorn, Süsskartoffelecken  oder Bündner Nusstorte essen dürfte? Einen Hinweis darauf liefert das oben verlinkte „Blue Jeans, White Shirt, Messy Hair, Perfect Deal“ T-shirt: das Model selbst trägt eine schwarze Yogaschlaghose. Und ja, ich habe eben das Wort „Yogaschlaghose“ geschrieben. Wir leben in einer surrealen Zeit.

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Auch hier wieder zwei Mango Exemplare, die sich beim Versuch bedeutungsvoll und gleichzeitig locker-flockig-oberflächlich zu sein, irgendwo verirrt haben und jetzt im Sauerland an einem verlassenen Bahnhof stehen und über ihr Leben nachdenken. Oder -oho! mir kam gerade ein Gedanke- es handelt sich hier um den neusten Coup von der Sorte Neonazis, die sich einige Hirnzellen bewahren konnten und die hier mal wieder (man erinnere sich an das leider legale HKNKRZ T-Shirt) das System unterwandern. „Always Right“, kann ja auch immer rechts heissen, ne? Und dass Menschen anscheinend das Recht haben, falsch zu sein, haben wir in den letzten zwölf Monaten Weltpolitik ja auch gemerkt. Bäm! Im Literaturstudium Interpretationen hinkotzen zahlt sich wohl doch endlich aus.

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Wem es bisher zu oberflächlich ist, dem wird hier geholfen. Denn Mango produziert nicht nur Kleidung in einsturzgefährdeten Hochhäusern in Bangladesh, nein! Mango hilft auch kräftig mit beim Grünen Kapitalismus, wie es Slavoj Zizek, der Vater aller Körpersäfte, so gerne nennt. Mango weiss, dass es uns scheiss egal ist, dass die Menschen, die unsere Kleidung herstellen, ins Elend gestürzt werden und das manchmal auch wortwörtlich- an dieser Stelle Bonuspunkte dafür! Mango weiss aber auch, dass wir einmal pro Schaltjahr den Kampf gegen die kognitive Dissonanz verlieren und irgendwas tun möchten, verdammt! Für diese Tage gibt es es das „Take Action“ T-Shirt. Für den Rest reicht „Nobody Cares – And I don’t mind“. Ein schönes Duo.

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Mango bringt es wieder! Ein  T-Shirt, weiss, simpler Schnitt- der Aufdruck: MINIMAL. Dieses Kleidungsstück IST minimalistisch, hat aber ein Wort aufgedruckt, welches ihm wiederum seinen Status als maximal schlichtes Kleidungsstück vereitelt. Oder kann der Schriftzug dem Objekt nichts anhaben? Ceci n’est pas une pipe- mais ce t-shirt est-il quand même minimal? Selten hat mich ein philosophisches Paradoxon so sehr bewegt wie dieses hier, da können Achilles und seine olle Schildkröte gleich mal einpacken. Bei der Recherche bezüglich dieses ausserordentlichen Phänomens ist mir auch dieses Baby Exemplar unter die Nase gekommen. Wer also nicht nur die Logik feiern, sondern auch eine lebensphilosophische Modeerscheinung mit seinem Baby teilen und dabei gleichzeitig hinterfragen möchte (also den Minimalismus jetzt- nicht das Baby!), der kann nun sogar dies bewerkstelligen. What a time to be alive!

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Stellt euch vor, ihr seht jemanden, mit diesem T-Shirt. Stell euch vor, es ist Elvira die süsse Filmstudentin. Ihr wolltet Elvira schon länger um ein Date bitten, aber ihr wisst ja nicht, ob sie lesbisch oder immerhin bi ist. Und dann trägt sie das hier! Sendet sie euch ein Signal? Oder muss das nix heissen, denn heute kann man noch so verkorkste Scheisse auf seinem T-Shirt tragen und muss sich nicht verpflichtet fühlen, sich damit intellektuell zu identifizieren oder gar auseinanderzusetzen. Oder ist das Elviras Art, sich mit ihrem gewalttätigen Ex auseinanderzusetzen, weil wir -in einer immer noch verklemmten Gesellschaft- dazu übergegangen sind, toxische Beziehungen zu verehren und jetzt gibt es einen Haufen junger Frauen, die sich den Hintern verkloppen lassen und dabei „Daddy“ schreien und das aber gar nicht wollen? Und Elvira hat nie gelernt über all das zu sprechen, weil als wenn Tino sie im Kindergarten schlug, alle sagten, dass der Tino die Elvira ja nur gern habe. Oder Elvira findet Tiger einfach geil. Ja. Lektion gelernt: wer das trägt, weil er / sie eine Begeisterung für Tiger hat, verdient weder mich noch die Tiger. Danke Zara, für diese Erkenntnis.

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Ein weiteres, sehr aktuelles und mit Leidenschaft verhasstes Thema darf auch hier nicht fehlen: darf man den Feminismus kapitalistisch gewinnbringend  vermarkten? Ich sage: bitte lasst mich in Ruhe, ich weiss es doch auch nicht, ich meine ja, ich meine nein, ich meine nur, wenn es irgendwie süss ist und nett und waa-! Was soll man da auch sonst sagen? Werbung für tolles, feministisches Projekt: einerseits ja, aber dann ist es nicht fair produziert. Öko-Yogatop, mit allen Zertifikaten: hört sich schon viel besser an, aber die Marke präsentiert Weiblichkeit total essentialistisch (Wir sind alle Mütter und schwingen euch unseren Rosenquarztanhänger um die Ohren, ommmm!). Ja. Ok. Kurz vom Thema abgekommen. Wieder voll da. Also: Liebe Nastygal Menschen, produziert meinetwegen so viele „Feminist“ T-Shirts wie ihr wollt. Aber wenn ihr dann auf derselben Seite ein anderes T-Shirt anbieten, dass wiederum die Gewalt von Mädchen an Jungs verherrlicht, dann habt ihr nicht nur die Botschaft missverstanden, sondern schadet auch noch der ganzen Bewegung. Wegen solchem Scheiss muss ich mich dann mit MRA’s herumschlagen und irgendeinem Horst erklären, wieso ich den Red Pill Film nicht gucke.

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Ich schliesse ab mit einem weiteren Meisterwerk von Mango. Diesmal ist es eine heilige Dreifaltigkeit von einfältigen Print Designs, die ich nie gesehen haben möchte. Aber es ist, wie es ist. Sie sind in meine Schädelwand eingebrannt. „Life is a point of view“, „Too naive to be worried“ und „Stop asking why“. Eigentlich perfekt, oder? Genau das sollte ich mir auch öfter sagen, wenn mir mal wieder die Augäpfel ausbüxen wollen, weil sie zum Beispiel das hier erblickt haben. Einfach naiv herumlaufen. Akzeptieren, dass Arschloch sein, eine Meinung ist. Und im Zweifelsfall: bitte keine Fragen stellen. Ein gutes Konzept für moderne, emanzipierte Frauen.

Und für euch, die mich jetzt kreuzigen wollen, weil eure halbe Garderobe hier zu finden ist: ich zieh mir jetzt das hier an und gehe ins Kino. Ihr wisst schon warum.

 

*die Bildchen sind mit ganz viel Liebe und Hingabe auf Polyvore entstanden

 
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Trump: „I’m going to build a wall“ – you already did.

I almost feel sorry for writing this because I myself am completely saturated with news about Trump. And I don’t even live in the states. Yet for the past year, reading things about the US election has become as essential to my daily routine as brushing my teeth. Everyday a new scandal, a new hilariously tragic misstep, a new reason for extensive eye rolling. I don’t think, I can ever use the word tremendous again without cringing. Meanwhile we all surely missed out on politics being made in the shadows of this freak show. There have been two major Romanian elections this year and I, as a Romanian living in Switzerland, can’t tell you a single thing about them. But I sure remember five different jokes Lindsay Graham made about his own party.

As the polls are pointing more and more to Hilary Clinton winning in a landslide, people like me seem to be unclenching. The ridicule which we felt, before we had to take Trump seriously is slowly coming back. Trump is once again returning to the realm of entertainment. He can be grouped once again with Kim Kardashian or Paris Hilton or some other human we feed on in order to sustain our own egos. They make us feel a bit better and whole lot smarter. They also help us coping with the fact that we’re not rich and famous. But as much as seeing them as stupid feels good, I don’t think either Kim nor Paris actually are. I don’t think you can build a multimillion dollar business on stupidity alone. Or become the Republican nominee for president of the United States of America. Trump tells lies left and right and his proposed policies qualify merely as superficial opinions. But there is nothing he can’t talk about. While third party nominee Gary Johnson struggles with naming a foreign leader, Trump always seems to manage to talk his way around things. His confidence is never faltering. In any case: how he says things seems to be far more important than what he says. Several philosophers/sociologists/people who like to make headlines thus already declared that we live in a post-factual age and they might be just right. But post-factual doesn’t necessarily mean that we are in an age of lies. We rather live in a world in which the emotional evaluation of the individual is put before the traditional scientifically verified concept of truth.

As random and unprepared as Trump’s ramblings might seem, his predictions about his followers so far have been right. Back in January he said at a rally in Iowa: “I could stand in the middle of Fifth Avenue and shoot somebody and I wouldn’t lose any voters.” This statement sounded insane back then. But seeing the reactions of his voters to the “Grab ‚em by the pussy” video seems to prove just that. He does have a core group of followers who are not deterred by anything he says. Those people seem to have made up their mind about voting for Trump from the very beginning. But the reason why new information about Trump cannot change their minds is not their lack of intelligence, but the fact that they don’t seem to care about Trump himself all that much. What those people had waited for was not Trump, but someone like Trump: someone who is blunt and flawed and deeply human. They don’t identify with Trump the billionaire and celebrity, but with someone who is doing okay despite being fucked up. The broken white families from the south identify with a man who’s children seem alright despite their father’s many divorces. The picture perfect Obama’s might have been a pleasant break from other, scandal-stricken first families, but they offer few possibilities for identification. The inhabitants of the remote Appalachians want to see themselves in their president as much as the intellectual elite who graduated from Ivy League colleges. And yet those are two different sets of humans. Yes, an University education changes you. To those who did not get one, the people with a degree often seem unapproachable and removed from the daily life of the working class. Don’t get me wrong- of course there are people “who haven’t forgotten where they came from” and who can adapt to those around them. But Trump’s success clearly shows that this rift is real and that people do notice it. More than that: it seems to be unbearable to those at the presumed bottom. And so they flock to a man with the vocabulary of a 6th grader.

Unlike people like me, who would never admit it, but do see themselves as intellectually superior, Trump must have known this a while ago. And he used those people and their fears and their insecurities and the desperation that usually comes with poverty for his agenda. As much as I disagree with The Donald, this is the one thing he managed to do better than all of his opponents: he understood the white, impoverished working class. Clinton calling them “basket of deplorables” is symptomatic for how little we all understand this demographic. And also for how little we care to.

But like Paris and Kim, Donald isn’t a genius either. Truth be told, at this point I am not entirely sure what his goals are. Does he really want to become the next president? Or is this an elaborate scheme to sell steaks and whatever else he has his name printed on? Maybe that is for history to decide. What I do believe however is, that he does not have control over the atmosphere he created. Having had someone with authority go as far, as Trump did, has unleashed all the ugly thoughts that used to swarm the back of people’s heads. This can be seen not only in the States but in Europe too, where the Right Wing rhetoric has been taken as permission to voice one’s opinions unrestrained of political correctness- a term which has gotten an un-mistakebly bad connotation.

Trump might very well be defeated next Tuesday, but the wall he promised has already been conjured up by his words. While we all hoped for it to never materialize physically, it has been built up in people’s minds. The bricks for its construction have steadily been provided. Some by far right parties across the globe. Some were given by people who normally would have been unwilling to, but didn’t care enough to prevent it from happening. The only thing missing was a diligent worker, who would put all that material to good use. And in Donald Trump the world has truly found a master craftsman. Trump might very well be defeated next Tuesday, the question is, whether his wall can be defeated too.

 
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